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Blick in die Zeitgeschichte

Labor Service-Seelsorge - Vorläufer der Militärseelsorge in der Deutschen Bundeswehr

Teil 3

Ansprache von Senior Chaplain (kath.) Georg Werthmann bei der Konferenz aller Labor Service- Chaplains in Rosenheim vom 31.08.-04.09.1953
Der Labor Service und damit die Seelsorge stand in der deutschen Öffentlichkeit unter dem Verdacht, hier unterschwellig einen "Vorgriff auf einen deutschen Wehrbeitrag" zu unternehmen. Deshalb wurden die Labor Service-Männer u. a. auch als "Adenauer-Partisanen" tituliert. Aus amerikanischer Perspektive hingegen genossen sie wegen ihrer zuverlässigen und gediegenen Arbeit hohes Ansehen und haben nach dem Krieg einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Völkerverständigung zwischen Amerikanern und Deutschen geleistet.

Gerade für die Seelsorge galt zudem von Anfang an die Devise, dass die frühere Form der Wehrmachtseelsorge nicht als Vorbild dienen konnte und sollte. Zunächst orientiert an der amerikanischen Militärseelsorge, entwickelten die beiden Kirchen eine neue Form kirchlicher Arbeit.

3331 Liaison Detachement Heidelberg Felzer / Dr. Kellner / Werthmann, Senior Chaplain (kath.) / Moll/ Dr. Grau, Senior Chaplain (evang.) / Kuttler / Steinheimer
"Dabei taten sich anfangs die einzelnen Landeskirchen und der Rat der EKID sehr schwer, sich für die Labor Service-Seelsorge zu erwärmen, während die kath. Kirche von Anfang an die große Chance für die Kirche sah und in der profilierten Gestalt des Prälaten Werthmann auch eine geeignete Persönlichkeit für den deutschen Verbindungsstab in Heidelberg herausstellte". Nach drei Jahren Wirksamkeit der Labor Service-Seelsorge zog ihr Senior Chaplain Werthmann eine positive Bilanz der Arbeit. Sie sei "die einzige Form der Seelsorge an kasernierten Einheiten, die als geordnet, ausgebaut und nach einem Leitbild geschaffen bezeichnet werden kann. Ihre wegweisende Bedeutung für eine eventuelle künftige Militärseelsorge kann nicht bestritten werden. Sie ist vor allem in folgenden Einzelheiten gegeben:

Fortbildungsreise in die USA vom 16. Mai bis zum 1. Juli 1952 mit Besuch der Chaplains School in Fort Slocum für die Supervisory Chaplains beim Labor Service, von l/r: Chaplain Juliusz Janusz, Catholic Supervisory Chaplain for Polish Labor Services, Chaplain Georg Werthmann, Catholic Supervisory Chaplain for German Labor Services, Chaplain Hermann Pleus, Protestant Supervisory Chaplain for German Labor Services
1. In der Character Guidance Lecture, die als Chaplain's Hour dem Geistlichen obliegt.
2. In der Tatsache, dass die LS Seelsorge nicht von aussen her an die Einheiten des LS herangetragen wird, sondern in diesen Einheiten verankert ist.
3. In dem Vorhandensein besonderer LS Chaplain-Regulations.
4. In der für die LS Seelsorge geschaffenen zahlenmäßigen Grundlage (je ein Chaplain für tausend Angehörige der jeweiligen Konfession)."

In der ersten Jahreshälfte 1955 deutete sich an, dass im Rahmen des personellen Abbaus bei den Labor Service-Einheiten auch die Labor Service-Seelsorge durch die US-Army eingestellt werden sollte.
Artikel 45a der Bonner Verträge von 1955 legte schließlich fest, dass die aus Deutschen zusammengesetzten Labor Service-Einheiten bis zum 5. Mai 1957 aufzulösen seien.



Anlässlich der Chaplains-Konferenz in Heidelberg vom 10.-15. Dez. 1951 bei der Besichtigung einer neuen Kapelle, von l/r: Chaplains (Lt Col.) Albert A. Knier (USA), Ludwig Nüchter (Frankfurt/M.), Johannes Nitsche (Fürth), Georg Werthmann (Heidelberg), Alois Krautwurst (München), Bernhard Schwarz (Mannheim), Ludwig Steger (Esslingen/Neckar), Gisbert Bauer (Würzburg), Martin Zeil (Ettlingen/ Baden), Friedrich Lutz (Giessen), Fritz Frommeld (Augsburg)
Im Juli 1956 begannen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der US-Botschaft Verhandlungen. Sie führten schließlich zu einem Abkommen, das den Fortbestand der Einheiten unter anderem Namen, aber ohne Änderung ihrer Aufgaben garantierte.

Die Labor Service-Seelsorge hatte jedoch bereits seit 1955 ihren Senior Chaplain verloren, der mittlerweile immer stärker in die Planungen der Militärseelsorge in der Bundeswehr eingebunden war und seit Februar 1956 als Generalvikar des ersten Katholischen Militärbischofs wirkte. (Schluss)
Zitate aus Unterlagen des Senior Chaplain für die LS Seelsorge im Bestand AKMB, AW V 6

Dr. Monica Sinderhauf